Auf Maultierpfaden durch einen unbekannten Teil der Toskana

Durch die Apuanische Alpen bis nach Lucca

Die teils wilden Kalkgipfel, die sich zwischen den Städten Massa und Lucca aus dem Meer erheben, bilden den nordwestlichen und alpinsten Teil der Toskana. Im Vergleich zu den weiten Hügellandschaften, für welche die Toskana berühmt ist, bilden die Apuanischen Alpen einen krassen Gegensatz. Dies nicht nur wegen des weltweit grössten Abbaugebiets für Marmor und den daher teils grotesk wirkenden angefressenen Bergflanken. Auch die Natur und die Menschen, die in ihr leben, formen ein einzigartiges Geflecht. Auf uralten Routen durch geschichtsträchtige Orte entdecken wir einen unbekannten Teil dieser beliebten Ferienregion Italiens.


Überblick

WICHTIG
Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Anmeldung nur mit Anzahlung.
Frist: 31.08.2023

Kaum jemandem dürfte die Bezeichnung „Apuanische Alpen“ ein Begriff sein. Das vergleichsweise kleine Gebirge mit rund 60 km Länge und 20 km Breite verläuft von Nordwest nach Südost parallel zum Küstenstreifen zwischen den Städten La Spezia und Pisa.

Die Region ist reich an kulturellen Schätzen und historischen Orten. Bereits im 6. Jhd. v. Chr. war die Region besiedelt. Später eroberten die Römer und anschliessend Napoleon die Gebiete. Auch im 2. Weltkrieg verliefen die Frontabschnitte zum Teil durch die Gebirgskämme. Zu allen Epochen spielte der Abbau des kristallinen Kalkgesteins, welches hier zum Teil in höchster Reinheit vorkommt, eine Rolle. Marmor aus den Apuanischen Alpen ist in Form von Palästen, Tempeln oder Statuen mittlerweile auf der ganzen Welt verteilt. Noch heute bildet der Abbau des edlen Gesteins die Grundlage für Wohlstand, sorgt aber auch für Konflikte.

Durch das Meer, einige Täler und ein breites Becken bei Lucca ist der Gebirgszug klar von den umliegenden Regionen abgetrennt. Eine Durchquerung des Gebirges entlang der Längsausdehnung (von NW nach SO) macht deshalb am meisten Sinn. Wir durchwandern diese einzigartige Region binnen einer Woche auf 5 Etappen und tauchen ein in eine Welt der Gegensätze.

Kostendetails
Die Gesamtkosten sind abhängig von der finalen Anzahl an Teilnehmenden. Einkalkuliert ist der Transfer zwischen Kandersteg und dem Ausgangs- bzw. Zielort sowie sämtliche Übernachtungen und Frühstücke. Das Abendessen muss an einigen Tagen noch zusätzlich getragen werden. An mindestens einem Abend kochen wir selbst.

Anforderungs- und Packdetails
Die Apuanischen Alpen sind bis auf einige kurze Abschnitte technisch nicht anspruchsvoll. Aufgrund der geringen Dichte an Unterkünften sind die Etappen zum Teil aber sehr lang (daher auch ein Pausetag). Neben normaler Wanderausrüstung darf ein Hüttenschlafsack sowie ausreichend Tagesverpflegung nicht fehlen. Einkäufe können am Pausetag getätigt werden. Auch wenn die Region zu den niederschlagsreichsten ganz Italiens gehört, handelt es sich um ein Karstgebirge. Oberflächengewässer und damit Trinkwasserzugang während der Etappen ist selten.

Ausgangsort / Gebiet

Eckdaten zur Tour

💰 500 €
(Anzahlung: 350 €)
🕐 7 Tage
💪 Mittel
📅 30.09 – 07.10.2023
🔧 Wanderausrüstung
🌎 Italien

Anmeldung zur Tour

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Interesse?(erforderlich)

Verpflegung?(erforderlich)

Alpenvereinsmitglied?(erforderlich)


Etappen

Samstag 30.09.2023:
Auf den Spuren der Bergarbeiter


1400
Hm

100
Hm

12.0
km

6:00
h

Unsere Anreise beginnt vor Sonnenaufgang. Aufgestanden wird um 4.00 Uhr mit Abfahrt um 4.30 Uhr. Wir nehmen den ersten Autozug um 5:00 Uhr ab Kandersteg. Dieser bringt uns in ca. 1 Stunde nach Iselle, Italien. Ab hier haben wir eine Anfahrt von rund 4 Stunden, sodass wir (mit Pause) spätestens um 11:00 Uhr das kleine mittelalterliche Dorf Equi Terme erreichen. Nach einem kurzen vorgezogenen Mittagessen starten wir unsere Tour.

Diese beginnt mit einem leichten Anstieg durch schöne Wälder in das kleine Dorf Aiola und weiter nach Vinca. In Vinca erinnern viele Monumente an ein Massaker der NS-Zeit, bei dem die SS auf der Suche nach Partisanen 174 Menschen ermordete. Doch auch an anderen Orten in den Apuanischen Alpen trifft man auf Zeugnisse des zweiten Weltkriegs. Wir verlassen Vinca auf nun steiler werdenden Pfaden, die uns an die SW-Flanke des Pizzo d’Uccello führen. Wegen seiner steilen Nordwand (die wir leider nicht einsehen können) wird der 1781 m hohe Gipfel auch das „Matterhorn der Apuanischen Alpen“ genannt. Wenn wir gut in der Zeit liegen, lässt sich ein Besteigungsabstecher von der Foce di Gove einbauen (1.5 – 2 h zusätzlich).

Von der schönen Foce di Gove betreten wir die bizarre Welt der Marmorsteinbrüche. In rund 30 min. erreichen wir das Rifugio Orto di Donna und damit unser Etappenziel. Die Hütte wurde in eine alte Bergarbeiter-Unterkunft integriert und ist eine der wenigen ganzjährig bewirteten Hütten der Region. Rund um die Hütte herum wird bis heute das edle Gestein abgebaut, was bereits im Zustieg anhand der grossflächig eingeschnittenen Bergflanken deutlich wird.


Sonntag 01.10.2023:
Entlang des Hauptkamms


1450
Hm

1800
Hm

23
km

11:30
h

Bereits die zweite Etappe unserer Reise wird uns konditionell fordern. Nicht nur die Höhenmeter, sondern auch die Gesamtstrecke sind beachtlich. Mit dem Monte Tambura überqueren wir den zweithöchsten Gipfel der Apuanischen Alpen und überschreiten gegen Abend die Grenze vom schroffen, alpinen zum sanfteren Charakter des Gebirges.

Wir nehmen ein sehr kurzes Frühstück ein und starten möglichst früh in unsere heutige Etappe und den Aufstieg auf den Monte Tambura. Dieser zieht sich vom Rifugio Orto di Donna aus ziemlich in die Länge, hat aber meist eine angenehme Steigung. Die Aussicht in Richtung Küste, der riesigen Steinbrüche von Carrara oder ins Apennin wird mit jedem Schritt weiter. Am Gipfel angekommen, setzen wir zur Überquerung an und steigen auf der Südseite in den Passo della Tambura ab. Hier kreuzt die historisch spannende Via Vandelli, welche im 18. Jhd. gebaut wurde, um die Städte Modena und Massa miteinander zu verbinden. Wir folgen der Strasse abwärts um den Monte Sella herum, den wir wegen zahlreicher Steinbrüche und Tunnel nicht überschreiten können. Im Passo Sella kommen wir wieder auf den Hauptkamm und haben damit ein wichtiges Etappenziel erreicht.

Unser Weiterweg führt ins kleine Dorf Arni am Fusse des Monte Fiocca. Der direkte Talabstieg über die Fahrstrasse wäre aber nur eine Notlösung. Somit steigen wir an der westlichen Talseite über den Monte Macina und geniessen für eine weitere Stunde die traumhafte Aussicht, bevor wir absteigen. In Arni können die Wasserreserven gefüllt werden, bevor wir weiter nach Tre Fiumi absteigen. Wie der Name sagt, kommen hier drei Flüsse zusammen, die in einem Haupttal weiter zum Stausee Lago di Isola Santa abfliessen. Wir queren dieses Tal, um auf dessen Südseite den letzten Anstieg des Tages anzugehen.

Das alpine und karge Gelände hat sich inzwischen in eine typisch mediterrane Voralpenlandschaft gewandelt. Der Duft von Kräutern in der Abendsonne begleitet uns bis auf die Hochebene von Puntato. Bereits vor über 100 Jahren wurde auf diesen Weiden Almwirtschaft betrieben. In den Blütezeiten entstand eine regelrechte Almsiedlung mit weit über 50 Steingebäuden, von denen die meisten heute nur noch als Ruinen zu erkennen sind. Einige weniger wurden durch aufwendige Restaurationen jedoch bis heute erhalten. Genau hier beziehen wir unser Nachtlager in einer der alten Almhäuser und lassen uns mit einem typischen Bergbauernmenü kulinarisch verwöhnen.


Montag 02.10.2023:
Über den Pania della Croce


800
Hm

1500
Hm

15
km

8:00
h

Auch die heutige Etappe kann nicht gerade als „gemütlich“ bezeichnet werden. Im Vergleich zum Vortag, kommt sie uns aber sicherlich angenehmer vor. Mit einer weiteren Gipfelüberschreitung und dem Durchstreifen uralter Wälder, wirkt sie jedoch nicht weniger abwechslungsreich.

Nach unserem Frühstück auf der Almhütte bei Puntato starten wir direkt in den Aufstieg auf die Pania della Croce. Fast die gesamten Höhenmeter des heutigen Tages absolvieren wir gleich zu Beginn und am Stück. Von der Cresta della Pania (dem eigentlichen Übergang) erhebt sich der Hauptgipfel nur unwesentlich. In knapp 3 Stunden werden wir diesen erreicht haben und anschliessend den langen Abstieg nach Stazzema angehen.

Der Weg von der Cresta della Pania führt uns zunächst steil in die Foce di Valli. Der optimale Routenverlauf führt uns weiter über den sanften Grat in Richtung Süden über den Monte Forato. Wir überschreiten die Baumgrenze und finden uns in urwaldartigen Szenerien wieder. Die vorwiegend aus Laubbäumen bestehenden Wälder bieten im Herbst ein besonderes Ambiente. Wir verlassen den Wald erst kurz vor unserem Ziel, dem kleinen Bergdorf Stazzema.

Nachdem wir unser Gepäck deponiert haben, steigen wir noch eine gute halbe Stunde weiter ab, nach Mulina. Hier liegt, verborgen im Wald, eine fast 100 Jahre alte Eisenerzmiene. Diese ist einfach zu besichtigen, auch wenn sich der Urwald mittlerweile sein Gebiet zurückerobert hat. Auf eindrückliche Weise erhalten wir so einen Einblick in die Vergangenheit bevor wir uns zum Abendessen in der urigen Trattoria Mulinette einfinden.

(Bei schlechtem Wetter könnte man an diesem Tag auch eine kürzere, aber weniger schöne Route wählen. Eventuell würde sich dann auch ein Abstecher zu einer Tropfsteinhöhle anbieten, von denen es in den Apuanischen Alpen sehr viele gibt.)


Dienstag 03.10.2023:
Sanfte Gipfel, traumhafte Örtchen


1250
Hm

1650
Hm

28
km

11:00
h

Bevor wir unseren wohlverdienten Pausetag einlegen können, wartet mit 28 km noch die längste Etappe der ganzen Tour auf uns. Die Steigungen und technischen Schwierigkeiten sind aber minimal, sodass wir den Facettenreichtum der Route voll und ganz geniessen können.

Wir verlassen Stazzema über den östlich gelegenen Waldteil und folgen einem kleinen Pfad auf den Monte Matanna. Erneut befinden wir uns oberhalb der dichten Wälder und können die weitläufige Aussicht geniessen. Ein sanfter Wiesenkamm führt in südöstlicher Richtung fast eben über die Erhebungen des Monte Piglione und von dort schliesslich zurück in die Kastanienwälder oberhalb des kleinen Örtchens Trebbio. Hier legen wir eine Pause ein und erledigen unsere Einkäufe für das Abendessen, welches wir heute selbst zubereiten dürfen.

Gegen Nachmittag verlassen wir Trebbio in Richtung Süden über einen leicht ansteigenden Forstweg. Nach kurzer Zeit erreichen wir das wundervoll gelegene Dorf Loppeglia. Wir durchstreifen das Dorf abwärts entlang des Hauptsträsschens und folgen damit dem Talverlauf weiter in Richtung Süden, wo wir gegen Abend unser Etappenziel erreichen.

Ganz im kulturellen Sinne der Tour nächtigen wir heute in einer alten toskanischen Villa und erholen uns von den Anstrengungen der vergangenen Tage. Bei gutem Wein, Pasta und grossem Garten mit Schwimmbecken dürfte es uns leicht fallen, hier einen Tag Pause einzulegen.


Mittwoch 04.10.2023:
Pausetag

Wir nutzen unseren freien Tag, um die Toskana und die Apuanischen Alpen noch besser kennenzulernen. Wir wandern (heute ohne schweres Gepäck) in Richtung San Martino in Freddana. Der kleine Ort mit schöner Kirche bietet mit Gelateria, Restaurant, Bäckerei, Bar und Lebensmittelgeschäft alles, was es für unseren Pausetag braucht.

Gegen Mittag sind wir mit Antonio verabredet. Er führt zusammen mit einem jungen Team ein Weingut im Freddana-Tal. Wir besichtigen die Kellerei und lassen uns das Weinsortiment vorstellen. Kulinarisch begleitet wird die Verkostung mit hauseigenem Olivenöl, Focaccia und regionalen Käsesorten.

Gegen Nachmittag wandern wir zurück nach San Martino. Wir entscheiden spontan, ob wir uns ein Restaurant suchen oder uns nochmals selbst verköstigen. Vielleicht findet auch die ein oder andere Flasche aus Antonios Weinkeller den Weg in unsere Rucksäcke.


Donnerstag 05.10.2023:
Durch Olivenhaine nach Lucca


1250
Hm

1650
Hm

26
km

11:00
h

Frisch und erholt dürfte der letzte Wandertag unserer Tour gut machbar sein, auch wenn sich die Strecke wieder deutlich in die Länge zieht. Doch auch heute bekommen wir nochmals das gesamte landschaftliche Spektrum der Region vorgeführt.

Wir starten an unserer Villa mit dem Aufstieg durch dicht bewaldetes Gebiet. Offizielle Wanderwege gibt es hier keine mehr. Vielmehr folgen wir alten, verwilderten Pfaden, überqueren den bewaldeten Monte Formicoso und erreichen gegen Mittag die Burgruinen von Montecatino. Die Wälder lichten sich hier und vom Burgturm ist bereits unser finales Ziel, die Stadt Lucca, zu sehen.

Wir verlassen die Wälder und wandern über die hügelige Landschaft nördlich von Lucca durch Olivenhaine und kleine Dörfer bis ans Flussufer des Serchio. Zum Schluss folgen wir dem Fluss und überqueren ihn am nördlichen Stadtrand von Lucca. Damit haben wir unseren Quergang durch die Apuanischen Alpen gemeistert.


Freitag 06.10.2023:
Kulturtag in Lucca

Als Hauptstadt der gleichnamigen Provinz zählte Lucca im 13. und 14. Jhd. zu den einflussreichsten Städten Europas. Neben der frühen Gründungsphase zu Zeiten der Römer kam Lucca besonders durch die Textilindustrie im Mittelalter zu Einfluss und Reichtum. Aus dieser Zeit stammt auch die von vier Toren durchbrochene Befestigungsanlage, die bis heute sehr gut erhalten ist und damit zu den bemerkenswertesten Anlagen in ganz Italien zählt. Wir nehmen uns einen zusätzlichen Tag und begeben uns durch das gesamte Erscheinungsbild des Stadtkerns auf eine Zeitreise.

Unsere Stadtführung wird ca. 3 – 4 Stunden in Anspruch nehmen und kann je nach Lust, Laune und Wetter modifiziert werden. Es gibt unzählige Kirchen aus unterschiedlichen Epochen, Wehranlagen, Türme, Plätze, Museen und vieles mehr zu besichtigen. Wenn das Wetter gut ist, bietet es sich an, am Nachmittag mit dem Zug nach Viareggio zu fahren. Das touristische Küstenstädtchen ist gut angebunden und in knapp 30 min. erreichbar. Die Strände dort zählen zu den schönsten der Region.

Am Abend fahren wir zurück nach Lucca und geniessen bei toskanischem Flair unseren letzten gemeinsamen Abend.


Samstag 07.10.2023:
Heimreise

Von Lucca aus gibt es direkte Verbindungen via Zug nach Equi Terme. Kleine Besorgungen könnten noch morgens am Samstag erledigt werden (schöner Markt in Lucca) bevor wir die rund 1,5-stündige Zugfahrt zum Ausgangsort antreten.

Der Rückweg gleicht ab hier dem Hinweg. Die Direktverbindung mit dem Verladezug von Italien nach Kandersteg fährt nur abends um 21:37 Uhr mit Ankunft in Kandersteg um 22:42 Uhr, sodass wir genügend Zeit haben, um unterwegs noch ein Abendessen zu nehmen. Eine weitere Nacht in Kandersteg wäre für alle möglich.

Als Alternative kann auch die Fahrt über den Simplonpass bis Brig und weiter nach Goppenstein genommen werden. Ab hier fahren die Autoverladezüge mindestens stündlich, sodass wir früher in Kandersteg wären, aber deutlich mehr Strecke fahren müssen.
(Details klären wir nach definierter Zahl der Teilnehmer:innen.)